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Brief des Pfarrers
Werner J.
Grootaers de Budt
Liebe Pfarrgemeinden!
Den meisten von Ihnen wird die
Neuigkeit bereits bekannt sein:
Am 1. September 2011 wird der Herr Pfarrer von Bierbaum und Königsbrunn,
Pater Dariusz Teodorowksi offiziell nach Wien übersiedeln.
Als sein Nachfolger möchte ich ihm deshalb zuallererst herzlich danken:
für die Sorge um unsere Pfarren.
Gerne beantworte ich vorweg ein paar Fragen, die Sie vielleicht zu Ihrem
neuen Pfarrer haben - was ja normal ist bei einer „Wachablöse“.
'Wie
sich bereits herumgesprochen hat, bin ich Belgier, 1965 im Norden Belgiens
geboren. Das bedeutet, dass meine Muttersprache Niederländisch ist - obwohl
der Ursprung meiner Familie im französischsprachigen Lüttich liegt. Ich habe
Architektur, Geschichte und Kunstgeschichte studiert und danach Theologie:
an den Fakultäten der St. Ignatius-Universität Antwerpen, der Freien
Universität Brüssel und der Katholischen Universität Löwen. Als Historiker
kann ich mehrere Veröffentlichungen vorweisen, ich war auch Kurator
verschiedener Ausstellungen. Nebenbei war ich in Belgien als Archivar und
Bibliothekar tätig, eine Zeit lang als Dozent an der Universität
Philadelphia (USA), als Pfarrer, als geistlicher
Rektor eines
Krankenhauses … und als Konsulent der Belgischen Restauratoren-Vereinigung
usw….
Als Kind habe ich mich öfter
in der Schweiz, in Deutschland, Liechtenstein und Österreich aufgehalten
(vor allem in Tirol und Vorarlberg). Österreich ist mir deshalb nicht völlig
unbekannt. Geschichtlich sind Österreich und Belgien auch stark miteinander
verbunden. Die meisten ÖsterreicherInnen denken bei Belgien wohl zuerst an
die EU, aber unser kleines Königreich an der Nordsee hat viel mehr zu bieten
als das! Belgien ist im In- und Ausland bekannt für seine Gemütlichkeit und
Gastfreundschaft, seine 600 verschiedenen Biersorten, unsere weltberühmten
Pralinen, die reichhaltige Tradition unserer Spitzenklöppelei sowie für
unser Nationalgericht: die Belgischen „Fritten“.
Aber kehren wir zurück ins Weinviertel!
Der 1. September ist nämlich nicht nur das Datum, an dem der neue
Pfarrer offiziell seinen Dienst antritt, sondern auch ein Wendepunkt in
der Geschichte der 5 Pfarren Absdorf, Neuaigen, Königsbrunn, Bierbaum und
Stetteldorf. Bislang waren diese 5 Pfarren von einander unabhängige
Einheiten ohne institutionelle Verflechtungen. Jede Pfarre war auf sich
selbst gestellt. Am 1. September kommt nun nicht nur ein neuer Pfarrer:
Unsere fünf Pfarren werden sich ab diesem Zeitpunkt als Pfarrverband
gemeinsam auf den Weg machen. Das bedeutet, dass man nicht nur den
Pfarrer (und die Pastoralassistentin) teilt, sondern auch, dass die Pfarren
untereinander Wege der Zusammenarbeit entwickeln können, sodass wir als
Pfarrverband einen gemeinsamen Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe
gehen!
Um allen Mißverständnissen vorzubeugen: Das bedeutet nicht, dass die
bestehenden Pfarren aufgehoben werden oder Verantwortung einbüßen. Auch
innerhalb des Pfarrverbandes bleiben die Pfarrgemeinderäte bestehen und
verdient die Eigenheit jeder Pfarre Respekt. Wohl bedeutet es, dass wir
einander mit unseren Erfahrungen bereichern können und - wo möglich -
zusammenarbeiten, um dem Reich Gottes auf Erden mehr Gestalt zu geben. Ein
Pfarrverband ist eine Herausforderung und eine Verantwortung für uns alle.
Er ist nicht das Ende der Geschichte, sondern die Tür zu einer gemeinsamen
Zukunft.
Einige Veränderungen sind dennoch unvermeidlich. Pfarrer eines
Pfarrverbandes zu sein, ist nicht das gleiche wie Pfarrer einer einzigen
Pfarre zu sein. Ende September werden wir deshalb für alle, die an
den neuen Entwicklungen interessiert sind, einen Informationsabend
organisieren, der erläutern soll, was ein Pfarrverband beinhaltet, welche
Herausforderungen und welche Möglichkeiten er bietet; wie wir miteinander
losmarschieren können. Das genaue Datum dieses Informationsabends wird noch
bekanntgemacht werden. Alle sind aber schon jetzt herzlich dazu eingeladen!
Bereits heute möchte ich Sie von einigen notwendigen Änderungen in
Kenntnis setzen; deshalb auch dieser Brief. Als Pfarrer eines Pfarrverbandes
wird es mir nicht möglich sein, selbst alle Gottesdienste zu leiten. Man
kann ja nicht überall gleichzeitig sein. Deshalb werden wir - beginnend mit
1. September - eine Art „Radldienst“ einführen, was die Leitung der Sonn-
und Feiertagsgottesdienste betrifft. Meine beiden Vorgänger haben sich
bereit erklärt auszuhelfen. Darüber hinaus wird es regelmäßig
Wortgottesdienste mit Kommunionspendung geben, die unser Diakon, unsere
Pastoralassistentin oder andere mit der notwendigen Ausbildung leiten
werden. Sie werden deshalb nicht jeden Sonntag ihren Pfarrer predigen hören
- aber vielleicht wird das auch eine Bereicherung für uns alle sein. Und Sie
bekommen mit den verschiedenen GottesdienstleiterInnen auch verschiedene
Ansichten dargeboten.
Als Pfarrer werde ich sehr wohl darauf achten, bei wichtigen Anlässen, wie
z.B. Erntedank oder dergl., dabei zu sein. Und hier sind wir bereits an
einem Punkt angelangt, den wir als Pfarren im Verband bedenken müssen, denn
man kann ja - wie gesagt - schwerlich an zwei Orten zugleich sein: Welche
Pfarre wann ihr Erntedankfest feiert, ist auch für mich von Bedeutung, um
mit den Pfarrmitgliedern in Kontakt bleiben zu können. Das ist nur ein
Beispiel von Zusammenarbeit, und so wie ich unsere fünf Pfarren bereits
kennengelernt habe, zweifle ich nicht daran, dass es uns gelingen wird, an
unserer gemeinsamen Zukunft zu bauen. Das verlangt wohl jedem Pfarrmitglied
mehr Verantwortung ab: Aber wurde uns nicht genau das im Rahmen von
„Apostelgeschichte 2010“ - zu der unser Erzbischof Kardinal Dr. Christoph
Schönborn voriges Jahr in den Stephansdom geladen hatte - als Auftrag und
Herausforderung für die Zukunft mitgegeben?
Der Pfarrhof von Absdorf wird das Büro des Pfarrverbandes
beherbergen; in Neuaigen wohnt unsere Pastoralassistentin, und ich selbst
als Pfarrer des Pfarrverbandes werde im Pfarrhof von Stetteldorf wohnen.
Administrativ wird unser Pfarrverband durch eine engagierte Pfarrsekretärin
unterstützt werden. Sie wird an drei Vormittagen in der Woche im Büro
(Pfarrhof Absdorf) tätig sein. Auch die Pastoralassistentin und der Pfarrer
werden fixe Sprechstunden haben. Einzelheiten dazu werden wir später noch
mitteilen, aber so ist bereits jede/r informiert, was einem flotten Start
unserer Zusammenarbeit nur förderlich sein kann.
In den Gesprächen, die ich mit vielen von Ihnen inzwischen führen durfte,
ist mir bereits deutlich geworden, dass wir fünf lebendige Pfarren haben, wo
viel möglich ist. Und das sind sehr erfreuliche Nachrichten: dass wir neben
alten Traditionen auch neue Initiativen entwickeln können und unser
ChristInnen-Sein in all seinen Farben und in seinem ganzen Reichtum
erstrahlen lassen können. Eine Pfarrgemeinschaft ist die Basis unserer
Kirche, und genau hier, in der Kirche vor Ort, müssen wir ein offenes Herz
für ALLE Menschen haben und einen weiten Horizont, Respekt gegenüber
lebendigen Traditionen, aber auch Offenheit für Entwicklung und Erneuerung
in Kirche und Gesellschaft.
Liturgisch werden sich die Sonn- und Feiertagsgottesdienste deshalb etwas
von der Zeit davor unterscheiden. Was die Wochentagsmessen betrifft, bleibt
in Absdorf alles gleich. Die Mittwochmesse in Stetteldorf wird allerdings
entfallen. Auch die Samstagabendmesse in Königsbrunn wird entfallen. Für die
verschiedene Ortskapellen werden wir wahrscheinlich das Patrozinium der
Kapelle feiern mit einer Hl. Messe, aber die monatlichen Dienste werden eher
Gebetsmomente sein.
Unsere fünf Pfarren haben bereits eine lange Geschichte hinter sich
und - meiner festen Überzeugung nach - auch eine Zukunft vor sich.
Aber die Zukunft wird anders sein als die Vergangenheit. Und „anders“
bedeutet nicht immer „schlechter“. Es ist übrigens nicht das erste Mal in
der Geschichte, dass der Pfarrer von Stetteldorf am Wagram auch Pfarrer von
Absdorf ist … Einer meiner Vorgänger, Johann Baptist Anton Merrick, hat bis
1784 beide Pfarren betreut. Mit dem neuen Pfarrverband hauchen wir also
einer alten Tradition neues Leben ein! Aber wie lebendig wir als Pfarren und
als Pfarrverband sind, das hängt vom Einsatz jeder und jedes einzelnen von
uns ab.
Mit herzlichem Gruß,
Jhr. Werner
J. Grootaers
de Budt
Herzliche Einladung
zur Begrüßung
von Pf. Grootaers im Rahmen der Hl. Messe in
Absdorf am
So, 4. Sept., um 9.00 Uhr.
An diesem
Tag entfallen die Sonntagsmessen in Königsbrunn und Bierbaum!
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